EU-Führerschein (Teil 2)

In meinem Beitrag „EU-Führerschein (Teil 1)“ habe ich beschrieben wie man laut Angebot eines bekannten Anbieters einen tschechischen EU-Führerschein erwerben kann. In diesem zweiten Beitrag zum Thema EU-Führerschein soll es darum gehen, was von diesem Angebot aus verkehrspsychologischer Sicht zu halten ist und welche praktischen Vor- und Nachteile damit verbunden sind.

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Offene Fragen zum EU-Führerschein

Zwar hat der Anbieter vor Gericht geklagt und recht bekommen, dass die so erworbenen EU-Führerscheine legal und uneingeschränkt in Deutschland genutzt werden dürfen, doch einige Fragen bleiben offen:

  • Muss man solange man den tschechische EU-Führerschein nutzen möchte für mindestens die Hälfte des Jahres formal seinen Wohnsitz nach Tschechien verlegen?
  • Ist es wirklich legal für die meiste Zeit des Jahres einen Wohnsitz in Tschechien vorzutäuschen, wenn man eigentlich in Deutschland lebt? Warum machen die tschechischen Behörden bei solchen Täuschungsmanövern mit?
  • Darf man ein KFZ in Deutschland anmelden, wenn man seinen Wohnsitz eigentlich in Tschechien hat oder braucht man auch ein tschechisches Kennzeichen?
  • Warum sollte man von einem seriösen tschechischen MPU-Gutachter ein positives Gutachten ausgestellt bekommen, wenn man bei einem deutschen Gutachter durchgefallen ist?
  • Wird dieses tschechische MPU-Gutachten von deutschen Behörden anerkannt? Warum dann nicht einfach mit diesem Gutachten den Führerschein in Deutschland neu beantragen?
  • Sollte man in Kauf nehmen, bei jeder Verkehrskontrolle oder Verkehrsauffälligkeit in Deutschland in Erklärungsnot zu geraten, sich verdächtig zu machen und eine genaue Überprüfung zu riskieren?
  • Was ist wenn die deutschen Behörden bei genauerer Prüfung bemerken, dass man sich eigentlich die meiste Zeit des Jahres in Deutschland aufhält und nur vortäuscht in Tschechien zu leben?
  • Was ist, wenn es zu einem Unfallschaden kommt? Werden die Versicherungen die Legalität des tschechischen EU-Führerscheins problemlos anerkennen und für alle Schäden aufkommen?
Ist der EU-Führerschein eine sichere Alternative?

Zusammenfassend muss ich behaupten, dass man sich zumindest in einer gesetzlichen Grauzone bewegt. Ich halte es für wahrscheinlich, dass dieser EU-Führerschein nicht allen behördlichen Prüfungen und Nachforschungen standhält, sei es aufgrund des fraglichen MPU-Gutachtens oder der uneindeutigen Wohnsitzfrage.  Denn zwei Dinge sind sicher: 1.: Erwirbt man einen EU-Führerschein ohne sich einer von den deutschen Behörden geforderten MPU zu unterziehen, muss dieser Führerschein von den deutschen Behörden nicht anerkannt werden. 2.: Nur wenn man seinen Hauptwohnsitz in Tschechien hat, also dort lebt und arbeitet, dürfen die tschehischen Behörden den EU-Führerschein erteilen und nur dann wäre er wirklich legal. Die deutschen Behörden werden Betrug wittern und sollten sie diesen nachweisen können, bedeutet das Fahren ohne Fahrerlaubnis, was eine Verkehrsstraftat darstellt und jeglichen Versicherungsschutz nichtig werden lässt. Man riskiert also sogar bei nicht selbst verschuldeten Unfallschäden auf den gesamten Kosten sitzen zu bleiben und auch die Konsequenzen für die Verkehrsstraftat sind nicht unerheblich. Hinzu kommt, dass man sich den Straftatbeständen des Betrugs und der Urkundenfälschung gefährlich nähert.

Es bleibt auch zu bedenken, dass der Entzug des Führerscheins und die Aufforderung zur MPU ihre Gründe hatten. Man hat ja ein problematisches Verhalten im Umgang mit Alkohol, Drogen oder Verkehrsregeln gezeigt, was zu wiederholten Auffälligkeiten führte. Diese Verhaltensproblematik besteht nach dem Erwerb des EU-Führerscheins weiterhin, und wird auch zukünftig zu Auffälligkeiten führen. Sobald es erneut zu einer Verkehrsauffälligkeit kommt die an der Fahreignung zweifeln lässt, wird die Fahrerlaubnis in Deutschland entzogen. Die Fahrerlaubnis ist also weiterhin in Gefahr.

Zudem sollte man sich fragen, ob man mit der permanenten Befürchtung leben möchte, dass das Täuschungsmanöver bei der nächsten Verkehrskontrolle auffliegen könnte. Sorgloses und entspanntes Autofahren ist etwas anderes.

Bietet der EU-Führerschein überhaupt Vorteile?

Wenn man sich die anfallenden Kosten von etwa 3000,-€ anschaut, muss man sich fragen, welche Vorteile dieser EU-Führerschein eigentlich bieten soll. Für dieses Geld kann man in Deutschland bei jedem seriösen Anbieter eine sehr ausführliche MPU-Vorbereitung durchführen, die MPU selbst finanzieren und die Kosten für den Neuantrag zahlen. Somit bräuchte man sich nicht mehr um die Legalität seiner Fahrerlaubnis sorgen und die Fahrerlaubnis wäre auch für die Zukunft sicher, da man durch die MPU-Vorbereitung das problamatische Verhalten dauerhaft ändert. So beugt man Rückfällen sicher vor, und es wird zu keinen erneuten Auffälligkeiten kommen. Ich biete MPU-Vorbereitungsprogramme schon ab 410€ an. Eine MPU kostet je nach Anlass zwischen 300€ und 750€. Man kann also schon für ein Drittel der Kosten einen völlig legalen und sicheren deutschen Führerschein bekommen, und das oft schon innerhalb eines halben Jahres. Wozu also das Ganze?

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